Dieser Firmenausflug wird in Erinnerung bleiben – auch, weil die Heimkehr aus den Bergen nicht ins Wochenende führte. Am Samstag und Sonntag mussten das Firmengelände und das Büro für den Ansturm am Montag freigeschaufelt werden. Gestern Donnerstag standen bereits 120 beschädigte Autos Stossstange an Stossstange unter Dach, und eine zusätzliche Halle für die weiteren Fahrzeuge ist angemietet: Auf Roger Gehrig und sein Team wartet viel Arbeit, und es hat bereits externe Unterstützung von Büro- und Werkstattfachkräften geholt.
Anders als um Winterthur und Bülach hinterliess dieser Hagelzug im Weinland an den Autos keine Totalschäden. «90 Prozent der beschädigten Autos im Bezirk werden als reparaturfähig eingestuft und bekommen einen Reparaturtermin», erklärt der Geschäftsführer und Inhaber.
Der Kleinandelfinger Betrieb ist als Partner sämtlicher Versicherungen befugt, die meisten Schadenschätzungen selbst zu machen. Diese Aufgabenteilung entlaste die Versicherungen und beschleunige das Verfahren für die Kunden. «Wir halten uns an die Weisungen der jeweiligen Versicherung. Im Zweifel und in komplexen Fällen ziehen wir deren Experten bei, um allen Beteiligten Probleme zu ersparen», erklärt Roger Gehrig.
Triage wie in anderen Notlagen
Wie im Notspital erfordert die besondere Situation eine Triage. Bei zerschmetterten Front- und sonstigen Scheiben ist die Lage klar. Jene Reparaturen, die das Fahrzeug wieder verkehrstüchtig machen, haben Vorrang gegenüber Massnahmen zur optischen Wiederherstellung. Sofern die Versicherungsdeckung okay ist, werden als Erstes die Scheiben ersetzt. «Zurzeit werden sie ohne jedes Feilschen bestellt, egal woher. Die Frontscheibenlieferanten haben Beschaffungsstress. Jede rechtzeitige Lieferung löst bei uns Freude aus», sagt Roger Gehrig.
Extremsituation ohne Spassfaktor
Der Ansturm und die Engpässe beim Platz und Material forderten die Mitarbeitenden stark und konfrontierten sie mit ständig neuen Situationen, betont der Firmenchef: «Im Moment ist die Stimmung extrem gut. Solche Ausnahmezeiten können ein Team auch zusammenschweissen.»
Der ewige Spruch, bei Hagel rieben sich Carrosseriespengler die Hände, nerve ihn total: «Ein Hausarzt lacht ja auch nicht bei einer Grippewelle. Wenn es hagelt, leide ich mit meinen KMU-Freunden, Landwirten und Winzern, denen das Unwetter gerade das Einkommen bedroht.»
Mehr Ersatzwagen und Geduld nötig
Dementsprechend hat er bei treuen Garagisten-Kunden der Region angerufen, um zehn zusätzliche Ersatzwagen zu kaufen. «Seit Montag haben wir wohl alle silbernen ein- und zweijährigen Kleinwagen im Weinland aufgekauft», sagt er und lacht. Mit Silber sei der richtige Farbuntergrund für das markante Gehrig-Logo schon mal gelegt.
Somit stehen in den nächsten Monaten 45 Ersatzwagen zur Verfügung. Der langfristige Bedarf ist garantiert. Termine für Notreparaturen, Schadenschätzung und Beratung gibt es auf telefonische Anmeldung laufend. Doch für nicht dringliche Schönheitsreparaturen werden die Fahrzeugbesitzer dann um Geduld gebeten. «Wir müssen genug unserer Arbeitskapazität und Platzreserven für Notfälle freihalten. Deshalb können wir Termine für kleinere Dellen teilweise erst Ende Oktober ansetzen», sagt er.
Jene Kunden, die ihren Schaden nur schätzen, aber nicht reparieren lassen möchten, seien bei den Drive-Ins der Versicherungen besser aufgehoben.
Wer hingegen eine Reparatur wünsche und unsicher sei, ob sich das noch lohnen würde, sei bei der Gehrig Carrosserie am richtigen Ort: «Wir sind fair. Falls sich eine Reparatur in Bezug auf den Zeitwert des Autos nicht lohnt und keine sentimentalen oder sonstigen Gründe vorliegen, stellen wir sie in Frage.»
Falscher Tag für einen Firmenausflug