Weinland

Habicht erhält Spezialschuh

Habichte gehören zu den seltenen Gästen in der Greifvogelstation. Derzeit wird dort einer gepflegt, der nicht nur einen Spezialschuh erhielt, sondern auch regelmäs­sige Physiotherapie benötigt.

von Christina Schaffner
06. Mai 2022

Ein Schuhverband sorgt dafür, dass die Krallen des Habichts gespreizt bleiben und er stehen kann. Am 11. April wurde das Tier mit einem verkrampften Fuss in die Greifvogelstation Berg am Irchel der Stiftung Paneco gebracht. Er hatte zudem Flüssigkeit in der Luftröhre und Probleme mit einem Auge. «Er hat ein Trauma, vermutlich wurde er angefahren», sagt Jan Kobza, stellvertretender Leiter der Greifvogelsta­tion. Nach einer Untersuchung im Tierspital Zürich, wo keine Ursache für die Verkrampfung gefunden werden konnte, wurde er zur Pflege zurück in die Greifvogelstation gebracht. Dort erhält er nun Physiotherapie, bei der die Muskeln zunächst angewärmt und dann durchbewegt werden. Dadurch soll die Bewegungsfähigkeit erhalten bleiben.

Habichte gehören zu den seltenen Gästen in der Greifvogelstation. Nur einer oder zwei kommen im Schnitt pro Jahr in die Pflege. Dies hänge mit ihrer Lebensart zusammen, so der Newsletter von Paneco. Wegen ihren sehr kurzen Flügeln fliegen Habichte nicht über Felder wie Milane oder Falken, sondern sitzen auf einem Baum im Wald und lauern auf Beute wie Eichhörnchen, Elstern oder Rat­ten. Mit einem Überraschungsangriff schla­gen sie ihre Beute, wobei sie immer die schwächsten und langsamsten Tiere auswählen. Als «Hühnervogel» gilt er, weil er schon mal die umherflatternden Hühner im Gehege als schnelle Beute ansieht.

Behandlungserfolg unklar
Noch zeige die Behandlung des aktuellen Patienten in der Greifvogelstation nicht den erhofften Erfolg. Mit einer solchen Behinderung könne der Vogel allerdings auch nicht wieder freigelassen werden. «Wichtig ist, dass der Habicht das Bein wieder normal bewegen und benutzen kann», erklärt Jan Kobza. Dies sei Voraussetzung für eine Freilassung und seine Überlebenschancen in der Natur. Bisher seien nur kleine Fortschritte zu beobachten: Er belaste den Fuss besser als zwei Wochen zuvor. Deshalb wird die Behandlung fortgesetzt. Noch sei aber unklar, wie es für den Habicht langfristig weitergehe, wenn die Physiotherapie auch künftig kaum Erfolg zeige. Eine weitere Vorstellung im Tierspital werde dann nötig – eventuell auch die Euthanasie des Vogels.

«Wir sind dafür da, Vögel gesund zu pflegen und wieder freizulassen», erklärt Jan Kobza weiter. Wenn das nicht möglich sei, sei der Tod für das Tier manchmal die bessere Lösung. Ein Vogel, der in Freiheit aufgewachsen sei, könne nicht dauerhaft in einen engen Käfig gesperrt werden. Das wäre laut Fachleuten für das Wildtier – im Gegensatz zu solchen, die in Gefangenschaft geboren wurden – eine Qual. Es würde psychisch und körperlich krank.

Vögel mit Lähmungen an einem oder beiden Beinen kommen hin und wieder in die Greifvogelstation. Wenn diese auf einen Bruch der Wirbelsäule zurückzuführen sind, bleibt nur die Er­lösung im Tierspital, da es keine Heilungsmöglichkeiten gibt. Liegen andere Gründe für die Lähmung vor und bildet sich diese zurück, gibt es nach der vollständigen Genesung für den Vogel Hoffnung auf ein Weiterleben in der Natur.

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