Weinland

Kirchturmführung macht Blick auf Jahrmarkt möglich

Am Mittwochnachmittag bot sich die Gelegenheit, den Kirchturm hinaufzusteigen und einen Blick von oben auf den Jahrmarkt zu werfen. Viele entschlossen sich spontan dazu.

von Christina Schaffner
11. November 2022

Wer unter Platzangst leidet, nicht schwindelfrei ist oder sich vor Insekten fürchtet, hatte bei der Kirchturmbesteigung am Mittwoch schlechte Karten. Der ehemalige Kirchenpflegepräsident Emil Landolt bot Interessierten an vier Führungen am Nachmittag an, sich den Turm von innen und den Markt von oben anzuschauen.

Mutig wagten sich zahlreiche Männer, Frauen und Kinder, die sich meist spontan zur Turmbesteigung entschieden, zunächst die enge Wendeltreppe bis zum Dachstock des Kirchenschiffs hinauf. Nach einem weiteren Aufstieg in einen grossen freien Raum, in dem das Uhrwerk in einer eigenen Hütte steht, erfolgte der weitere Weg über eine alte Holztreppe: Diese führte an der Wand entlang und wirkte nicht auf alle vertrauenerweckend.

«Hält die so viele Leute auf einmal aus?», fragte eine Frau ängstlich. Sie hielt und führte in den Glockenraum. Die mächtige Hauptglocke, umgeben von den drei anderen, empfing die Gäste. Einige Männer liessen ihre Muskeln spielen und bewegten den schweren Klöppel von Hand zum Anschlagen – das Schlagwerk war für die Zeit der Führungen abgestellt.

Aufstieg lohnte sich
Danach ging es auf einem Baugerüst, das von zahllosen winzigen Krabbeltieren besiedelt war, die sich auch gern auf die Besucher stürzten, weiter hinauf bis unters Dach. Aus drei kleinen Fenstern konnte in alle Richtungen geblickt und fotografiert werden. Manche richteten die Kamera auch auf das bunte Dach mit den Reitern und bedauerten, dass alles von Moos bewachsen sei. «Super, das hat sich gelohnt», war dennoch die einhellige Meinung der Turmbesteigerinnen und -besteiger, bevor sie sich wieder an den Abstieg machten. Dieser erforderte fast noch mehr Mut, da manchen erst dabei die ungewohnte Höhe so richtig bewusst wurde.

Bevor die unterschiedlich grossen Gruppen von bis zu 40 Personen hinaufstiegen, informierte Emil Landolt über die Geschichte des Turms. So wie er dasteht, wurde er 1862 erbaut und zusammen mit der zur selben Zeit umgebauten Kirche 1865 feierlich eingeweiht. Es war nicht der erste Turm, der die Andelfinger Kirche zierte. Zuvor stand ein viel kleiner dort, was die Andefinger angesichts des grösseren Kirchturms in Ossingen zunehmend gestört hatte.

Neuer Turm drohte umzustürzen
Sie begannen 1856, einen höheren Turm zu planen und fingen damit 1859 zunächst auf dem Kirchenschiff an. Dies erwies sich als Fehlentscheid: Als er fast fertig war, zeigten sich Risse, der Turm neigte sich Richtung Strehlgasse und drohte umzustürzen. «Sie mussten den gesamten Turm wieder abreissen», erzählte Emil Landolt. Für den heutigen Turm wurde sechs Meter versetzt ein besseres Fundament geschaffen und die Kirche bis dahin verlängert.

Der Turm hat viele Naturereignisse wie Erdbeben und den grossen Sturm von 1982 überstanden. 2004 und 2005 wurde er umfassend saniert, wobei viele Sandsteinblöcke ersetzt wurden.

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