«Lift»-Jubiläen landes- und weinlandweit

Region - «Lift» ist im Weinland seit zehn und in der Schweiz gar seit 20 Jahren ein Erfolg. Schulen und Betriebe spannen bei diesem Projekt zusammen, um Jugend­lichen mit erschwerter Ausgangs­lage den Eintritt in die Arbeitswelt zu erleichtern.

Silvia Müller (sm) Publiziert: 08. September 2026
Lesezeit: 4 min

Auf den Schritt in die Berufswelt sind junge Menschen unterschiedlich vorbereitet. Was kann ich, was will ich, wie bekomme ich eine gute Lehrstelle? Mit schwachen Noten, ungenügenden Deutschkenntnissen oder mit Motivationsproblemen wird diese wichtige Abzweigung im Leben noch schwieriger, als sie ohnehin schon ist. In solchen Fällen erkennen die Lehrpersonen und Schulsozialarbeitenden den Unterstützungsbedarf meist als Erste.
 
Arbeiten sie an Schulen, die dem «Lift»-Projekt angeschlossen sind, haben sie jederzeit Zugang zu Arbeits- und Förderinstrumenten und können Netzwerk- und Weiterbildungsangebote nutzen. Die Jugendlichen ab der siebten Klasse profitieren davon einerseits in Schullektionen, die auf ihre Situation zugeschnitten werden.
 
Andererseits können die Lehr- und Betreuungspersonen ihnen vorschlagen, regelmässig am schulfreien Nachmittag zwei bis drei Stunden Arbeitsluft zu schnuppern. Dies können sie nacheinander in verschiedenen Betrieben tun, jeweils einige Wochen lang. Verbindlichkeit ist auf beiden Seiten wichtig: Die Einsätze werden mit einem Vertrag geregelt.

Freiwillig für alle Beteiligten

Als Erste im Bezirk ist 2016 die Sekundarschule Flaach dem «Lift»-Projekt beigetreten. Rund ein Jahr später folgten die Sek Andelfingen und die Sek Stammheim, danach die Sek Marthalen und die Kleingruppenschule Kleinandelfingen.
 
Das Berufsbildungsforum des Bezirks Andelfingen ist seit 2014 bei der Standortförderung «Zürcher Weinland» angesiedelt. Unter diesem Dach koordiniert aktuell Fabienne Gander für einige der «Lift»-Schulen das Wochenplatzangebot. «Wir finden dank unserer Vernetzung mit dem Gewerbe öfters neue Betriebe, die mitmachen wollen, weil sie den Vorteil für die Jugendlichen und sich selbst erkennen», sagt sie.
 
«Lift» gehe im Weinland aber auch ohne das Berufsbildungsforum: Die Schulen von Mar­thalen und Stammheim organisieren das Projekt und den Stellenpool völlig selbständig, und auch die Sek Andelfingen stellt dafür seit einiger Zeit selbst die Ressourcen und Personen. Und es gehe auch ganz ohne «Lift»: Feuer­thalen, Laufen-Uhwiesen und Ossingen-Truttikon hätten sich am nationalen Projekt orientiert, aber eigene Versionen realisiert.

Offensichtlich gut für alle

Bei «Lift» seien die Erfahrungen auf allen Seiten positiv, sagt Fabienne Gander. Den Jugendlichen würden die Einsätze in einem Gewerbebetrieb oder Unternehmen mehr Selbstvertrauen und erste Erfolgserlebnisse bringen. Ihr Stundenlohn ist mit 5 Franken bewusst tief – der Lohn soll Anerkennung und Dank für das Geleistete ausdrücken, nicht aber die Hauptmotivation zum Mitmachen sein. Das wäre schon eher das Arbeitszeugnis, das sie nach jedem Arbeitseinsatz erhalten und später ihrer Lehrstellenbewerbung beilegen können.

In den begleitenden Schullektionen arbeiten die Jugendlichen an Kompetenzen, die in der Arbeitswelt wichtig sind: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt, Selbstmotivation oder Arbeitsorganisation. In den Betrieben erledigen sie konkrete Aufgaben. Sie helfen etwa im Schuhladen beim Verkauf, gehen in einer Garage beim Ölwechsel zur Hand oder übernehmen in einer Bäckerei Arbeitsschritte. Bei der Arbeit werden sie gefordert, aber auch ernst genommen. Durch ihren Einsatz entwickeln sie Selbstvertrauen, Sozial- und Selbstkompetenz und verbessern ihre beruflichen Aussichten. 

Nicht in erster Linie Lehrvertrag

«Es kommt immer wieder vor, dass Jugendliche und ein Betrieb so gut zusammenpassen, dass sich daraus ein Lehrvertrag ergibt», sagt Fabienne Gander. Das sei aber nicht das eigentliche Ziel. «Manche teilnehmenden Betriebe bilden gar keine Lehrlinge aus, oder nicht jedes Jahr. Etliche machen bewusst mit, um Jugendlichen Einblicke und Erfahrungen zu ermöglichen und den Berufsnachwuchs grundsätzlich zu fördern.»
 
Denn auch die Firmen sind freiwillig im Boot. Dass die meisten seit Jahren drinbleiben, sei ein gutes Zeichen, erklärt Fabienne Gander: «Sie sind offen für verkannte Talente und schätzen den Blick von aussen.» Es sei klar, dass manche in den strengsten Wochen des Jahres keine Ressourcen für «Neue» hätten. «Dann machen sie einfach eine Projektpause.» Andere Betriebe seien dann sogar froh um die Unterstützung durch die Jugendlichen. «Wenn der Arbeitseinsatz dem Vertrag und Ziel entspricht, stimmt auch das für alle.»

Ein häufiges Feedback sei: «Im Programm machen die Jugendlichen eine spürbare Entwicklung durch, und das darf auch mal etwas mehr Zeit brauchen.» Bleibt der Nutzen aus Sicht der Schule: Sie wird in ihrer Aufgabe unterstützt, «ihren» Jugendlichen den bestmöglichen Start ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Und ein bisschen profitiert sie vielleicht auch im Kleinen … wenn gestresste Jugendliche allmählich zuversichtlicher und zufriedener mit sich selbst werden, kann das den Alltag ziemlich entspannen.