Weinland

Mitfahrbänkli als erster Schritt

Bis das Dorf irgendeine Art von öffentlichem Verkehr (ÖV) hat, dauert es. Seit Samstag gibts immerhin offizielle Mitfahrgelegenheiten nach Andelfingen und Mar­tha­len. Und retour.

von Roland Spalinger
20. April 2021

Auch ohne Wunsch: Mit 300 Einwohnern erreicht Alten die kritische Grösse für den Anschluss an den öffentlichen Verkehr (ÖV). Eigentlich. Dass dies nicht der Fall ist, liegt daran, dass Alten nicht mit bestehenden Linien erschlossen werden kann. Kleinandelfingen äussert  den Wunsch bei jedem Fahrplanverfahren. Und bekommt vom Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) jeweils zu hören: machbar, wenn selber bezahlt wird.

Selber hat Alten nun Mitfahrbänkli (MFB) organisiert. Montiert wurden sie am Samstagmorgen durch die Mitglieder der Projektgruppe «Alten Mobil». Die Bauleitung oblag Walter Ruchti, der vor knapp zehn Jahren am Bahnhof Oerlikon das Verwaltungsgebäude verschoben hat.

Er griff bei der Glassammelstelle in Richtung Mar­tha­len und beim Brunnen am südlichen Dorfausgang in Richtung Andelfingen zu Bohrer und Rätsche. In Mar­tha­len steht das türkisfarbene MFB beim Pneucenter Auerhammer nahe beim Bahnhof, in Andelfingen bei Elektro Meier an der Landstrasse.

Und so gehts: Potenzielle Fahrerinnen und Fahrer beziehen bei Vereinsmitglied Heidi Ramp einen Gratiskleber fürs Auto, damit Mitfahrende wissen, wer sie mitnimmt. Sie kann auch bald Westen verkaufen, die deutlich machen, wer eine Mitfahrgelegenheit sucht.

Umfrage zeigt Bedürfnis
Seit der Dorf- und Ladenverein die Idee lanciert hat («AZ» vom 17.4.2020), ist rund ein Jahr vergangen. In dieser Zeit hat die Gemeinde Kleinandelfingen, zu der Alten gehört, den Faden aufgenommen, die Arbeitsgruppe «Klafi Mobil» ins Leben gerufen und die Bevölkerung ihrer zwei Aussenwachten zum ÖV befragt – was wie genutzt wird und würde, falls vorhanden. Von den 330 Fragebögen kamen 162 (49 Prozent) zurück, weshalb «relativ verlässliche Aussagen gemacht werden können», bilanziert Gemeinderätin Linda Mathis (die vollständige Auswertung finden Sie hier).

Oerlingen wird bereits von Postauto bedient. Von den 80 Antworten zur Nutzung des bestehenden Angebots gaben 48 an, dies unregelmässig zu tun. 15 nutzen den ÖV gar nicht, 16 tun dies regelmässig. 14 finden, das Angebot reiche. Linda Mathis führt den tiefen Wert von neun Prozent auf die schlechten Anschlüsse oder die eingeschränkten Zeiten des Angebots zurück.

97 (von 161, Mehrfachnennungen) aus beiden Dörfern gaben an, den ÖV mehr zu nutzen, wenn die Anschlüsse stimmen würden oder vorhanden wären, 58 antworteten auf diese Frage mit «Ja, auf jeden Fall» – 39 dieser Ja-Stimmen wurden in Alten abgegeben, das bezüglich ÖV eine Wüste ist.

Bezüglich Bedarf haben sich 90 Prozent für unter der Woche ausgesprochen, dabei vor allem für die Pendlerzeiten 6 bis 9 Uhr und 16 bis 19 Uhr; weniger als die Hälfte gab Samstag an, noch gut ein Drittel Sonntag. Gut die Hälfte würde das Angebot täglich oder wöchentlich nutzen. Als Zweck wurden am meisten Freizeit und Einkauf genannt und als Richtung mit grossem Mehr Winterthur.

Wunsch: Ruftaxi
Mit Kleinandelfingen sind aber weder Alten noch Oerlingen verbunden. Daran ändert für Alten auch das Mitfahrbänkli nichts. Doch dieses ist nur ein Teilschritt. Die Gruppe «Alten Mobil» ist auch in der Arbeitsgruppe «Klafi Mobil» integriert, glaubt aber nicht daran, dass beim Fahrplanverfahren 2022/2023 Postauto-Linien neu geplant werden und sich für Alten «das Warten auf den ZVV lohnt», wie Heidi Ramp sagt. Deshalb bleibt «Alten Mobil» bestehen und verfolge weitere Projekte. Am besten bedient wäre der Ort mit einem Ruftaxi, so der einhellige Konsens in der Gruppe.

Der Start der Mitfahrbänkli fällt in eine spezielle Zeit. In Neunforn, das ebenfalls Mitfahrbänkli kennt, ist das Angebot in den letzten Monaten kaum mehr genutzt worden.

War dieser Artikel lesenswert?

Zur Startseite

Zeitung Online lesen Zum E-Paper

Folgen Sie uns