Weinland

«Nie ein Bombenszenario vorgesehen»

Die anonyme Drohung und der Polizeieinsatz vom Freitag haben die Ladenteams am Marktplatz beschäftigt, aber nicht trauma­tisiert – das sagen die Geschäftsführer. Und hoffen, dass es so bleibt.

von Silvia Müller
11. Mai 2021

Gemäss der Kantonspolizei lautete die anonyme Drohung am letzten Freitag vage, dass sich «in einem Lebensmittelgeschäft am Marktplatz zwischen 10 und 12 Uhr keine Personen aufhalten sollten». Dies als Bombendrohung zu interpretieren, lag zweifellos nahe. Nachdem nichts Gefährliches gefunden worden war, konnte der gut vierstündige Grosseinsatz mit Dutzenden von Polizei- und Feuerwehrleuten um 14.30 Uhr mit einer Entwarnung beendet und der Verkehr freigegeben werden.

Dieser Tag sei «gelaufen», sagte Bäcker Nils Gnädinger, kurz nachdem die Uniformierten vom Marktplatz abgezogen waren und so etwas wie Normalität wieder eingekehrt war. «Unser ganzes Team ist erleichtert, auch wenn wir irgendwie von Anfang an damit rechneten, dass aus dieser Drohung kein Ernst wird.» Denn eine Bombe in einem Lebensmittelgeschäft im Weinland – das klinge einfach zu unwahrscheinlich. «Wir beruhigten uns gegenseitig, dahinter stecke wohl eher ein Spinner oder ein dummer Streich.»

Zeit zum Diskutieren hatte das evakuierte Team genug. «Die Polizei schickte uns vorsorglich immer weiter weg vom Platz, zuletzt mussten wir beim Bahnhof abwarten, was passiert.» In diesen Gesprächen habe er nicht den Eindruck bekommen, dass eine seiner Mitarbeiterinnen traumatisiert sei. «Natürlich sind wir alle auf das Verhalten in schwierigen Si­tua­tio­nen vorbereitet. Wir besprechen und üben, was in solchen Momenten zu tun ist. Aber mit einem Bombenalarm haben wir nie gerechnet, und wir werden wohl auch in Zukunft nicht davon ausgehen», sagte der Bäckermeister.

Das ändere nichts daran, dass nun ein Viertel bis ein Drittel des Tages­umsatzes in der Kasse fehle und nach Feier­abend viel mehr Resten übrig blieben als normalerweise – die Sperrung fiel just auf die umsatzstarken Stunden vor und nach dem Mittagessen.

Mitten im Krisengebiet
Noch viel näher dran waren die Mitarbeitenden des Volg-Ladens, deren Arbeitsplatz plötzlich von Polizeihunden und Spezialkräften durchsucht wurde. Auch das Laden- und Metzgerei-Team wartete den Lauf der Dinge gefasst im Exil ab. «Genau in diesem Moment ist unser Fleischkäse gar, zum Glück stellt der Ofen von selbst ab, sonst kommts noch zum Brand», witzelte ein Mitarbeiter um halb zwölf hinter dem «Löwen». Da waren die Spürhunde gerade unten im Laden unterwegs, und ihre Profi­nasen mussten den Fleischkäseduft ignorieren.

Auf einen Ofen- oder sonstigen Brand wäre das Personal mental vorbereitet gewesen, sagte Hansruedi Langhart, Geschäftsführer der Landi-Genossenschaft Andelfingen, die den Laden betreibt: «Wir üben regelmässig das Verhalten bei Bränden, Unfällen, gesundheitlichen Zusammenbrüchen, Überfällen und anderen speziellen Si­tua­tio­nen. Von einem Bombenalarm ist unser Krisenmanagement bisher aber nicht ausgegangen.»

«Die Polizei hatte es gut im Griff»
In diesem Fall sei «alles ungewöhnlich gelaufen». Doch die Einsatzkräfte hätten auch dieses spezielle Krisenmanagement im Griff: «Die Polizisten haben grosse Ruhe ausgestrahlt und überlegt gesprochen und gehandelt und alle Mitarbeitenden und Kunden im Laden sehr gut in­struiert und begleitet.»

Entsprechend gefasst und ruhig habe er auch seine Angestellten erlebt. Trotzdem wolle er in den nächsten Tagen mit jedem Teammitglied nochmals einzeln über den Vorfall sprechen und abklären, ob es Hilfe bei der Aufarbeitung braucht.

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