Von der im Mittelmeerraum heimischen Kulturpflanze wachsen bereits 10'000 Olivenbäume im Tessin, weitere 5000 in der Westschweiz – als Alternative zum Weinbau. Laut Forschungsinstitut für biologischen Landbau wurden bereits im 15. Jahrhundert im Wallis Oliven kultiviert. Ein Olivenbaum, der oberhalb von Fully auf 700 Metern steht, gilt als frosthart. Er liefert jährlich bis zu 200 Kilogramm Oliven.
Diese Ölbaumfrucht gilt als eine der ältesten von den Menschen kultivierte Kulturpflanze und steht auch als Symbol des Friedens und als Zeichen des Sieges. Die Bäume können bis zu 2000 Jahre alt werden. Ihr Wasserbedarf ist ähnlich wie der von Reben. Olivenbäume blühen von April bis Juni, die Ernte erfolgt ab September. Für einen Liter Olivenöl werden rund sieben Kilogramm Früchte benötigt. (romü)
Bis die ersten Oliven im Weinland geerntet, gepresst und zu Olivenöl verarbeitet werden können, vergehen sicher drei Jahre. «Es ist ein Versuch», sagt Landwirt Raphael Anderegg. Es gelte abzuwarten, wie es den Bäumen hier gefalle und wie sie sich an das Klima gewöhnen würden.
Letzte Woche pflanzte der Betrieb auf einer ehemaligen Rebfläche im Dachsener Weinberg 134 Olivenbäume. Da der erhoffte Regen ausblieb, werden die dreijährigen Bäumchen diese Woche bewässert, damit sie möglichst bald Wurzeln schlagen.
Die Idee zu dem Versuch entstand bei einer Olivenöl-Degustation in Italien. «Wir haben gescherzt, dass wir die Bäume auch bei uns anpflanzen könnten», erzählt Raphael Anderegg. «Da gerade zwei Rebanlagen des Betriebs erneuert werden, bot es sich an, die Idee weiter zu verfolgen.»
Bei seiner Suche im Internet stiess Raphael Anderegg auf eine Plantage in Deutschland, in Puhlheim bei Köln. Die Kölner Bucht ist bekannt als wintermildeste Region in Deutschland.
Nördlichste Anlage bei Köln
Dort gedeihen die Olivenbäume wunderbar. Die 2009 angelegte Anlage hat sich bewährt und bereits einige Hundert Kilogramm Oliven geliefert. Es gab allerdings wetterbedingt auch Rückschläge: Ein Winter mit minus 20 Grad bekam den 2005 gepflanzten Bäumen nicht gut, und es erfolgte eine Neuanlage. Diese litt ein wenig unter extrem schwankenden Temperaturen im Frühling. Ein Rückschnitt half, wie auf der dortigen Website zu lesen ist, und die Bäume erholten sich.
«Was auf dem 51. Breitengrad funktioniert, kann auch auf dem 47. Breitengrad klappen», dachte sich Familie Anderegg. «Mehr als in die Hose gehen kann es nicht», sagt Raphael Anderegg schmunzelnd. Sie seien positiv gestimmt und zuversichtlich. Dank der Zusage aller Ämter, dass nichts gegen eine Anpflanzung spreche, kaufte der Betrieb die Olivenbäume in Italien. Um das Risiko zu minimieren, erstanden sie winterharte, junge Bäume, die bis zu minus 18 Grad überstehen. Um den Ertrag zu steigern, setzen sie auf zwei Sorten: eine selbst bestäubende und eine, die viele Früchte trägt.
Frostschutz wichtig
Neben den harten Winterfrösten, die den Bäumen zusetzen könnten, besteht eine weitere Gefahr im Erfrieren der Blüten. «Wenn zu den Eisheiligen nochmal Frost kommt, müssen wir sie mit Vlies abdecken», sagt der junge Landwirt zu seinen Überlegungen. Doch das dauere noch ein paar Jahre, denn Olivenbäume tragen erst ab etwa sechs Jahren Früchte und können ab acht Jahren einen grösseren Ertrag bieten. «Die Zeit bis zur Ernte ist etwa gleich lang wie bei den Reben nach der Neuanpflanzung», erklärt er. Auf der zweiten Parzelle setzt er weiter auf Rebbau mit der Blauburgundertraube.
Der neue Olivenhain wird als Plantage gepflegt. Die Bäume, die bei freiem Wuchs bis zu sieben Meter hoch und bis zu 600 Jahre alt werden, sollen auf einer Höhe von zwei Metern gestutzt werden. Wenn dann in drei Jahren die erste Ernte ansteht, werden die Früchte, wie in Italien, von den Bäumen geschüttelt. Geplant ist, Olivenöl daraus zu pressen und im eigenen Hofladen in Uhwiesen anzubieten – das erste Weinländer Olivenöl überhaupt.
Olivenöl statt Wein