Punktlandung zum Dienstende

Flaach - Was seine Vorgänger angedacht hatten, packte Walter Staub an: die Totalsanierung des Gemeindehauses. Pünktlich zu seiner Verabschiedung wurde es fertig und konnte besichtigt werden.

Christina Schaffner (cs) Publiziert: 23. Juni 2026
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Jeder, der wollte, zog am Samstag im Dachstock des totalsanierten Gemeindehauses einmal am Strick, um die Glocke auf dem Dach erklingen zu lassen. «Aber nur heute», sagte Gemeindepräsident Walter Staub bei seiner Ansprache vor rund 100 Männern und Frauen, als der Klang der Glocke über die Strasse hallte. Wegen der Hitze war der Festakt in den Schatten vor die Alte Fabrik verlegt worden und fand nicht wie geplant auf dem Platz vor dem Gebäude statt.

«Es ist vollbracht, das Gemeindehaus erstrahlt in neuem Glanz und darf einen weiteren Meilenstein seiner Geschichte schreiben», freute sich Walter Staub. Ihm war damit gelungen, was seine letzten beiden Amtsvorgänger Walter Moser und Peter Brandenberger zwar auch gesehen hatten, aber nicht nachhaltig angegangen waren: die Totalsanierung des Gebäudes. «Als der Vorhang bei geschlossenem Fenster von vorbeifahrenden LKW bewegt wurde, wusste ich, jetzt müssen wir etwas machen», sagte Walter Staub.

Hülle blieb, Kern ist neu

Bis auf die Aussenmauern war das Haus ausgehöhlt und im Keller ein weiterer Raum fürs Archiv gegraben worden. Das gesamte Fundament wurde erneuert – und die Verantwortlichen hofften, dass die Mauern während dieser heiklen Zeit jedem Sturm trotzen würden.

Sie taten es und beherbergen heute ein modern eingerichtetes Verwaltungsgebäude mit Bibliothek, Sitzungszimmern und kleinem Versammlungsraum. Die alte Turmuhr ist herausgeputzt worden und kann beim Bibliotheksbesuch besichtigt werden. Im Keller fand die ehemalige Gefängnistür zurück an ihren Platz und im Heizungsraum alte Ziegelsteine – auch wenn das Gebäude neu an das Fernwärmenetz angeschlossen ist.

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Das totalsanierte Gemeindehaus konnte am Samstag besichtigt werden. | Christina Schaffner

Architekt Florian Stegemann wies in seiner Rede darauf hin, dass dieser Umbau zwar mehr als acht Jahre von der Planung bis zur Umsetzung gedauert habe. Aber auch vorherige Baumassnahmen seien nicht schneller erfolgt. Ein Erweiterungsbau für die Einrichtung einer Lehrerwohnung hatte sich 17 Jahre hingezogen, da «eine nicht baulustige Bürgerschaft» nicht vorwärts machte.

Diesmal machten die Bürger vorwärts, obwohl die Rechnungsprüfungskommission mehrfach einschritt und signalisierte, dass nicht genügend Geld vorhanden sei. So wurde mehrfach umgeplant, abgespeckt und neu verhandelt. Am 25. September 2022 sagte die Stimmbevölkerung nach zwei Informationsveranstaltungen an der Urne Ja zum Projekt und bewilligte einen Kredit von 4,6 Millionen Franken.

Die Einweihung dieses innen neuen Hauses aus dem Jahr 1870, dessen Vorgänger mit Gerichtsstube, Taverne und Zehntenscheune ab 1566 dort gestanden hatte, war Höhepunkt und Abschluss der 13-jährigen Tätigkeit von Walter Staub im Gemeinderat. «Du hast das Gemeinderatsschiff als Kapitän mit Weitsicht, Mut, Power, aber auch Vorsicht gesteuert», sagte Vizepräsident Reto Zimmermann in der Verabschiedungsrede zum scheidenden Präsidenten. In der ersten Hälfte seiner Amtszeit widmete Walter Staub sich den Finanzen und der Landwirtschaft, wirkte bei der Melioration mit und auch beim Verkauf der Schnitzelheizung an eine neu gegründete Aktiengesellschaft. Die zweite Hälfte der Amtszeit stand im Zeichen von Hochbau und Liegenschaften. In dieser Zeit habe Walter Staub erkennen müssen: «Vom Kanton Zürich kommt nicht alles retour, was uns Freude macht», so Reto Zimmermann.

Schwerer Velounfall

Geprägt war die Amtszeit auch von einem schweren Velounfall, bei dem  Walter Staub einen Genickbruch erlitt. «Dank deines starken Willens und deiner Kraft hast du es geschafft, wieder vorne zu stehen», sagte Reto Zimmermann bewundernd.

«Es war eine schöne Zeit, in der ich von allen getragen und unterstützt worden bin», fand Walter Staub abschlies­send. Mit Zuversicht und der Gewissheit eines guten Teams im Rücken – Gemeindeschreiber Ueli Wäffler, der zur Verabschiedung gekommen war, seine Nachfolgerin Melanie Roth sowie alle anderen Behördenmitglieder und Angestellten und seine Frau Helene Staub – habe er sich für Flaach gut einsetzen können. Er wünsche sich, dass sich alle Einwohnerinnen und Einwohner in der Gemeinde wohlfühlen und dies auch den Behördenmitgliedern sagen würden, denn das sei ihr Lohn fürs Krampfen. Und wieder läutete die Glocke wie zur Bestätigung des Ge­sagten.