Weinland

Rare Katzen mit raren Eigenarten

Sie sehen aus wie edle Büsis, doch sie haben das Blut afrikanischer Wildkatzen: die Savannah-Katzen von Corina und Andreas Müller.

von Silvia Müller
25. Januar 2019

Auf dem Bauernhof von Corina und Andreas Müller gibt es Tiere auf Schritt und Tritt. Schon auf den ersten Metern begegnet man Rindern, Pferden, Hunden. Im Haus wird man sofort von schönen, exotisch gefleckten Katzen umringt, sie wirken neugierig und kein bisschen scheu.
Die Gastgeberin Corina Müller zieht die Haustüre sorgfältig zu und zeigt auf die ausnahmslos verkehrt montierten Türfallen: Wenn die Türe im Schloss ist, hängt der Türgriff in diesem Haus nach unten. «Horizontale Türfallen sind für Savannah-Katzen kein Problem. Sie öffnen sie mühelos und finden auch sonst immer einen Weg, um aus- oder einzubrechen», sagt die Züchterin.

Kreuzung 1986 erstmals gelungen
Die Savannah ist eine junge Katzenrasse. 1986 gelang weltweit die erste Kreuzung zwischen einem afrikanischen Servalkater und einer Siamkatze – ungewollt, wie es heisst. Das spektakuläre Resultat fand sofort Nachahmung. Die erste Generation, die Servalhalbblüter, weist eine aufsehenerregende Mischung der elterlichen Merkmale auf.

Servale sind Wildkatzen aus dem afrikanischen Grasland, der Savanne. Servalmännchen können bis 100 Zentimeter Länge, 62 Zentimeter Schulterhöhe und 18 Kilo Gewicht erreichen. Sie besitzen im Verhältnis zum Körper die längsten Beine aller Katzenartigen der Tierwelt. Diese Körpermasse und der hohe Bau blieben auch nach der Einkreuzung von Hauskatzen sichtbar. «Die anfängliche Körpergrösse nimmt allerdings ab der dritten Generation stark ab», erklärt Corina Müller.

Bei Kompatibilität Fortpflanzung
Die Zucht zwischen Wild- und Hauskatzen ist nicht ganz einfach, weil die Befruchtung nicht immer klappt und weil die Hauskatzen den Nachwuchs zehn Tage früher auf die Welt bringen als die Servalweibchen.

Zudem bleiben die männlichen Servalnachkommen die ersten vier Generationen lang unfruchtbar, wie es bei Hybriden unterschiedlicher Arten sehr häufig vorkommt. «Das Erbgut der Servale wird in den ersten Generationen also nur über die Weibchen weitergegeben», erklärt Corina Müller.

Um das servalartige Aussehen der Rasse zu erhalten, wurden seit 1986 Mischlingsweibchen mit passenden Katern anerkannter Katzenrassen verpaart und Zuchtlinien etabliert. Die neue Kreuzung wurde inzwischen «Savannah-Katze» genannt und ist seit  1994 als Rasse anerkannt und geregelt. Erlaubt sind silber-, braun- oder schwarzgefleckte Fellmuster.

Um den Wildkatzenanteil über die 50 Prozent der ersten Generation zu steigern, wurden auch zu den rolligen Mischlingsweibchen wieder reine Servale eingelassen. Ab der fünften Generation sind auch Männchen mit Serval­anteilen wieder zeugungsfähig.

In Rudolfingen kommen nur solche Savannah-Zuchtkater zum Einsatz. Das entspricht dem Zuchtziel des internationalen Katzenverbands Tica, welches die Abstammung von mindestens drei reinen Savannah-Generationen vorschreibt. Inzwischen bieten Corina und Andreas Müller Kätzchen verschiedener Generationen an.

Keine Wildtiere mehr in Zucht
In der Schweiz wären Freigänge und die Haltung als Hauskatze ab der dritten Generation erlaubt, vorher braucht es eine Ausbildung und Bewilligung für Wildtierhaltung. Corina und Andreas Müller haben beides und auch ein grosses Aussengehege.

Etliche der rund 20 Savannah-Katzen, die aktuell zum Haushalt und zur Zucht gehören, zieht es an diesem kalten Morgen aber offensichtlich durch die Katzenschleuse rein ins Warme, zu den Menschen. Wegen dem starken Jagdtrieb der Rasse empfiehlt Corina Müller Freigänge erst ab der fünften Generation.

Sprungkraft und Wesen legendär
Der Grund: Savannah-Katzen haben nicht nur optisch viel von ihrer wilden Verwandtschaft bewahrt, sondern auch im Wesen. Sie sind berühmt für ihre bis zu zwei Meter hohen Sprünge – ein Erbe ihrer afrikanischen Ahnen, die ohne diese Sprungkraft gegen Ende der Regenzeit im hohen Gras keine Chance auf Beute hätten.

Dieser Jagd- und Spieltrieb macht Savannah-Katzen bei Katzenhaltern sehr beliebt. Auch für Tiere der sechsten Generation werden zwischen 1500 und 3500 Euro bezahlt, für Zuchttiere gar deutlich mehr. «Wir haben deswegen schon mehr als eine Diskussion unter Eheleuten erlebt», erzählt Andreas Müller. «Wenn sie dann doch eine kaufen, wollen die meisten schon bald eine zweite», ergänzt Corina Müller.

Denn die Kreuzung habe den Tieren auch ein ausserordentliches Wesen verliehen, sie seien viel sozialer als andere Katzen, sagt die Züchterin. «Savannah-Katzen sind extrem aktiv und anhänglich und fast so sehr auf ihre Menschen bezogen wie Hunde.» Manche lassen sich sogar an der Leine ausführen. Wie Hunde spielen sie zudem gerne mit Wasser und apportieren geworfene Gegenstände.

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