Weinland

Stämme schweben durch den Wald

Eine besondere Art des Holzens findet derzeit zwischen Irchelstrasse und Rhein statt: Mittels einer Seilbahn werden Stämme aus dem Wald geholt. Vor 26 Jahren wurde letztmals auf diese Art im Forst­revier gearbeitet.

von Christina Schaffner
04. März 2022

An Stahlseilen werden zwei dicke Stämme aus dem Tobel in die Höhe gezogen. Dann geht es in rasantem Tempo Richtung Waldweg weiter. Es scheint, als ob die Stämme durch den Wald schwebten. Möglich wird dies durch eine kurzfristig installierte Seilbahn. Oben angekommen, wird das Holz abgehängt, nach Baumart sortiert, auf Länge geschnitten und zum Abholen bereitgelegt. Was nicht als Stammholz verkauft werden kann, wandert auf einen weiteren Haufen, der später zu Holzschnitzeln verarbeitet wird.

Auf diese Art der Holzerei hat sich das Team, das die Seilbahn aufgestellt hat und bedient, spezialisiert. «Es braucht viel Erfahrung, um mit der Seilbahn zu arbeiten», sagt Revierförster Hans Beereuter. «Das angehängte Gewicht darf nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht sein.» Immer wieder steuert einer der Arbeiter, der mitten im Tobel steht, die Laufkatze auf dem Seil hin und her. Ist sie im Tobel, steigt er hinunter und hängt die nächsten Stämme an, um anschliessend wieder genügend Sicherheitsabstand zu gewinnen. «Das ist echte Knochenarbeit, sich da unten in dem Gelände auf den gefällten Bäumen zu bewegen», sagt Hans Beereuter und macht Fotos und Filme für das Archiv der Gemeinde.

Bäume vor Seilbahnbau fällen
Bevor das dreiköpfige Team die Seilbahn installierte, hatte es alle Bäume gefällt, die in dem Waldstück weg müssen. Stehen geblieben sind nur einige Erlen und nachwachsende Jungbäume. «Das muss vorher gemacht werden, damit die Seile gespannt werden können», erklärt Hans Beereuter. Zudem seien die Seile später im Weg. Die Spezialisten würden bereits beim Fällen darauf achten, wie die Bäume fallen, um sie anschliessend gut abtransportieren zu können.

Diese wie auch andere schwer erreichbaren Flächen machen rund 20 Prozent des 700 Hektaren grossen Forstreviers Irchel aus. Zu der unzugänglichen Lage komme meist noch ein feuchter Boden, der den Einsatz von schwerem Gerät unmöglich mache, so der Förster. Diese grossen Maschinen könnten allenfalls auf gefrorenem Boden eingesetzt werden – etwas, was wegen der Klimaerwärmung immer weniger vorkommt. «Seilbahneinsätze werden zukünftig wieder zunehmen», ist sich der Förster sicher.

Holzernte doppelt so teuer
Seilbahnen wurden früher öfter eingesetzt – am Irchel das letzte Mal vor 26 Jahren, nicht weit entfernt von der aktuellen Stelle. Wegen der hohen Kosten bei sinkendem Ertrag aus dem Holzverkauf kam sie hier nicht mehr zur Anwendung. «Der Preis für die Holzernte  mit Seilbahn ist etwa doppelt so hoch», sagt Hans Beereuter, «finanziell lohnt sich das nicht.» Gepflegt werden müssen diese Wälder trotzdem – auch aus Sicherheitsgründen. Die Bewirtschaftung der Hanglagen sei infolge der tiefen Holzpreise vernachlässigt worden. Deshalb sei die Pflege zum Erhalt von Schutzfunktionen und Infrastruktur wichtig. In vielen dieser Gebiete stehen Eschen, die absterben und in Bachläufe fallen. «Bei starken Niederschlägen werden sie zur Gefahr, wenn sie mitgerissen werden.»

Die Holzerei am oberen Teil des Untertobelbächli hat aber auch noch einen anderen Grund. Sie erfolgt im Auftrag der Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich und soll den Zustand wiederherstellen, wie er früher einmal war. Dafür soll die ehemalige Hangriedfläche auf der dem Süden zugewandten Seite wieder geöffnet und zu einem lichten Wald werden. «Bis vor 50 oder 60 Jahren wurde diese Fläche gemäht und die Abschnitte als Einstreu in Ställen verwendet», sagt Hans Beereuter. Die offene Waldstruktur im Feuchtgebiet biete einen interessanten und vielfältigen Lebensraum und werde auch zukünftig durch periodische Mäharbeiten so gepflegt.

Sobald die Arbeiten in diesem Tobel abgeschlossen sind, wird die Seilbahn einige Meter weiter in ein anderes ge­zügelt. Auch in diesem Feuchtgebiet könnte sonst nur bei gefrorenem Boden gearbeitet werden. «Wir wollen damit einerseits den Wald pflegen, aber auch Erfahrungen mit Seilbahneinsätzen im Unterland sammeln, was deren Nutzung, aber auch die Kosten betrifft», sagt Hans Beereuter. Dann werden auch dort in der nächsten Woche die Baumstämme durch den Wald «fliegen».

Forstlehrling gesucht

Das Forstrevier Irchel und der Staatswald Teufen bilden gemeinsam Lehrlinge aus. Die Lehrstelle als Forstwart mit Start Mitte August 2023 ist noch zu vergeben. Interessenten können sich per Mail melden: m.gross@freienstein-teufen.ch. (cs)

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