Weinland

Wohin so ein Pfadi-Schnuppertag in Andelfingen führen kann …

Die Pfadi Andelfingen lädt alle Kinder aus dem Weinland zum Schnuppernachmittag ein. Betreut werden sie unter anderem von Momo, Morty und Silentio. Die drei haben viel Erfahrung als Gruppenleiter – und neuerdings sogar im Planen ganzer Städte.

von Silvia Müller
11. März 2022

Die Pfadi ist ein Verein, dem garantiert keine Überalterung droht. Jedes Jahr entdecken neue Kinder, dass diese Jugendorganisation ihnen spannende Erlebnisse und gute Freundschaften ermöglicht. Der 19. März ist der nächste landesweite Pfadischnuppertag. Wie fast immer wird die Besammlung beim Bahnhof Andelfingen stattfinden. Dort treffen jeden Samstagnachmittag rund 100 Kinder und Jugendliche aus dem Weinland ein. Am Schnuppertag werden zusätzlich viele Neugierige erwartet, die einfach mal einen Nachmittag mitmachen möchten.

So grosse Anlässe müssen gut geplant sein. Momo, Morty und Silentio haben diese Aufgabe zum ersten Mal übernommen. Sie sind zwischen 20 und 22 Jahre alt und somit «Rover», das heisst, sie sind Leiterinnen und Leiter von Kindern zwischen 4 und 17 Jahren. Die drei werden die Schnupperkinder am Bahnhof in Empfang nehmen und sie altersgemäss einer der fünf Andelfinger Einheiten zuteilen.

Diese werden kurz darauf in verschiedene Himmelsrichtungen losziehen und bis zur Rückkehr um 17 Uhr ihren ganz eigenen Nachmittag erleben. «In der Pfadi sind die Kinder immer in etwa gleichaltrigen Gruppen unterwegs. Das gefällt ihnen am besten und erleichtert uns das Planen von Aktivitäten, die allen Spass machen», erklärt Momo.

Momo ist ihr Pfadiname. Im Alltag heisst sie Ronja Früh und studiert Physik, in der Pfadi Andelfingen ist sie Momo und leitet das Wolfsrudel Chamäleon mit. Morty und Silentio gehören zum Leitungsteam des Wolfsrudels Kondor. Morty ist Ronjas älterer Bruder – er heisst während der Woche Lovis und  studiert Systemtechnik.

Silentio ist sonst Jan Lagler und Gartenbauer und arbeitet in einem Betrieb im Stammertal. Zwei von ihnen sind «schon ewig» in der Pfadi. Ihre Pfadihemden sind vollgenäht mit Souvenirs aus Lagern, Kursen und von Prüfungen.

Biber, Wölfe, Pfadis, Pios und Rover
Die Kinder sind entweder in der Biberstufe (ab 4 Jahren), in der Wolfsstufe (ab 6), in der Pfadistufe (ab 10), in der Piostufe (ab 14) oder Rover (ab 17). Für jede Stufe sind Ziele definiert. Bei den «Wölfen» heisst es: «Als Hauptziel setzen wir uns die Erweiterung des Sozialverhaltens. Die Wölfe lernen, wie man sich in der Gruppe verhält und erkennen, was Teamwork bedeutet. Dieses Hauptziel versuchen wir Leitenden umzusetzen, indem wir für jeden Samstag eine Pfadiaktivität planen, bei der auch Spiel und Spass nicht zu kurz kommen.» Auch die freiwilligen Pfingst- und Ferienlager werden auf dieses Ziel hin gestaltet.

Silentio und Momo sind all diese Stufen sozusagen hochgewachsen. Sie sind sich einig: Die Pfadi sei «wirklich in jedem Alter interessant», und im Gegensatz zu beispielsweise Sportvereinen seien die Pfadieinheiten thematisch sehr frei bei der Programmgestaltung. Die Kinder erleben in der Pfadi «Abenteuer in der Natur­, Unterhaltung und Freund­schaften» weit über das eigene Dorf hinaus. Jugendlichen bietet sich zudem die Gelegenheit, Verantwortung und Leitungsaufgaben zu übernehmen. Das habe ihm sogar auf dem Arbeitsmarkt genützt, erzählt Morty: «Eine meiner Stellen hab ich wohl auch deswegen bekommen.» Die Arbeitgebenden wissen, dass auch Pfadi­leitende die Leitendenausbildung von «Jugend und Sport» absolvieren müssen. Bei allen dreien scheint mit den Aufgaben auch die Lust darauf gewachsen zu sein: Sie haben sich erfolgreich für die Organisation des gigantischen Bundeslagers beworben (siehe Kasten).

Corona hat die Reihen ausgedünnt
Die letzten zwei Jahre war kein Schnuppertag möglich. Umso grösser sind nun die Hoffnungen: «Normalerweise tritt rund die Hälfte der Kinder danach in die Pfadi ein», sagt Silentio. Das wäre diesmal besonders erfreulich – nach zwei Jahren unter Corona und ohne Nachwuchs seien die Einheiten inzwischen «etwas ausgedünnt».

19. März, 14 bis 17 Uhr, Pfadischnuppertag; Start und Ende beim Bahnhof Andelfingen. Mitnehmen: geschlossene Schuhe, wetterentsprechende Kleidung, Zvieri und Getränk. Anmeldung ist nicht nötig. Kinder können auch unbegleitet kommen. Bei Fragen: info@pfadiafi.ch oder www.pfadiafi.ch

… alle 14 Jahre gar ins riesige Bundeslager
Für jene Kinder, die am 19. März  erstmals Pfadiluft schnuppern gehen (siehe Haupttext), ist das Bundeslager vom 23. Juli bis 6. August 2022 keine Option mehr – dafür musste man sich schon vor Monaten anmelden. Etwa 60 Pfadis aus dem Weinland werden dabei sein und sich wohl zeitlebens daran erinnern. Ganz sicher gilt das für Silentio, Momo und Morty, die sogar bei der Organisation des gigantischen Anlasses mitarbeiten.

Ein Schweizer «BuLa» gibt es nur alle 14 Jahre. Im Sommer entstehe dafür im Oberwallis die «27-grösste Stadt der Schweiz», erzählen die drei «Rover» der Andelfinger Pfadi voller Stolz. Das Gelände des einstigen Militärflugplatzes Münster wird in Beschlag genommen: Zwei Wochen Aufbau, zwei Wochen Lager, eine Woche Abbau. Es werde eine provisorische Stadt mit viel Infrastruktur, einem kleinen Supermarkt inklusive.

30'000 Pfadis aus der ganzen Schweiz werden ihre Zelte beidseitig der 800 Meter langen Flugpiste aufbauen, dem «BuLavard der Stadt». Dazu kommen 300 Pfadis und Ehrengäste aus Europa und den USA. Möglich machen das 500 ehrenamtliche Organisierende und 5000 helfende Rover wie das Weinländer Trio: Silentio ist beim Aufbau der Helferküche engagiert, Morty trägt zur Sicherheit der Lagerbauten bei und Momo unterstützt die Andelfinger Einheiten beim Planen und Buchen. Denn alle Gruppen müssen lange im Voraus für jeden Wochentag festlegen, welche Verpflegung und welche der zahlreichen angebotenen Aktivitäten sie dann möchten. (sm)

Für Impressionen: www.mova.ch

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