Weinland

Ein bisschen wie Mario Kart

Andi und Iris Neck kombinieren die Gamewelt mit der Realität. In ihrer «Kartschüür» können Asteroide zerschossen, in Regenbogen gefahren oder durch Driften Punkte gesammelt werden. Und das auf einem echten Kart.

von Manuel Sackmann
24. Januar 2020

Gamen ist ein beliebtes Hobby. Auf spielerische Art und Weise kann am Bildschirm in eine völlig andere Welt eingetaucht und in eine völlig andere Rolle geschlüpft werden. Zu den populärsten Vertretern der Videospielgeschichte gehört Nintendos Mario Kart. In kleinen Gefährten fahren Fantasiefiguren um die Wette und versuchen, sich gegenseitig auszubremsen. Was Andi und Iris Neck aus Dachsen auf die Beine gestellt haben, hat Ähnlichkeiten mit dem Klassiker. Auch in ihrem Spiel geht es ums Kartfahren. Zudem können Asteroiden zerstört, Sterne und Regenbogen gesammelt und sogar die Gegner abgeschossen werden. Mit einem grossen Unterschied: Die Karts sind real.

«Kartschüür» nennt sich das Projekt der beiden Geschäftsinhaber der Softwarefirma Intesso Engineering. Wie es der Name schon sagt, spielt sich das Ganze in einer Scheune ab, namentlich der Schellingscheune in Dachsen. «Games werden immer wichtiger», sagt Iris Neck. Doch häufig werde das Hobby im stillen Kämmerchen ausgeübt. «Wir wollen die virtuelle und die reale Welt kombinieren, miteinander anstatt alleine spielen», so die ausgebildete Primarlehrerin. Dem Gamen soll ein grösserer Realitätsbezug gegeben werden. Das ist den Initianten gelungen. Gefahren wird in echten Karts, das Spiel wird derweil auf den Scheunenboden projiziert.

Anfang im Wohnzimmer
Den Anfang nahm die «Kartschüür» jedoch in einem wesentlich kleineren Rahmen – im Wohnzimmer der Familie. «Wir haben zwei Beamer an der Decke befestigt», erklärt Andi Neck. «Die Spielfiguren stellten wir mit kleinen, ferngesteuerten Robotern dar.» Das Ziel war, herauszufinden, ob ein solches Projekt auch in gross funktionieren könnte, was es dafür braucht und ob es mit einem vernünftigen Aufwand realisierbar ist. «Das Erlebnis in unserer Stube war noch nicht überragend», gesteht der Softwareentwickler. So hätten sich noch etliche kleine Probleme wie beispielsweise eine störungsanfällige Steuerung offenbart, aber dennoch kam das Paar zum Schluss, dass es möglich sei.

Ein vergleichbares Angebot hätten sie nicht gefunden, so Andi Neck. Also entschlossen sie sich, das Projekt weiterzuspinnen, es grösser aufzuziehen. Über Freunde, Bekannte und die Gemeinde seien sie schliesslich zur Schellingscheune gekommen. «Im Mai haben wir den Schlüssel erhalten.» Danach führte die Familie diverse Arbeiten aus, schliff unter anderem den Boden, um ihn möglichst glatt zu machen, und richtete die ganze Technik ein. Im Oktober kamen Angehörige und Freunde erstmals in den Genuss des neuen Angebots. «Das Feedback war grösstenteils sehr positiv.» Für die Necks Ansporn genug, das Projekt weiter zu optimieren. Am 30. Januar wird die «Kartschüür» nun offiziell eröffnet.

Die Zuschauer integrieren
Derzeit stehen fünf Games zur Auswahl. Drei werden mit den grösseren, elektrisch betriebenen Karts gefahren, zwei richten sich eher an kleinere Gäste und werden mit den motorlosen Ezzy-Rollern gespielt. Jedes Game hat einen anderen Fokus. Beim «Bat Race» kommt es auf Geschwindigkeit und Driften an, im «Asteroid Game» sind strategisches Fahren und Treffsicherheit wichtig, und beim «Rainbow Unicorn» ist Cleverness erforderlich. Jedes Spiel dauert drei Minuten, es treten jeweils zwei Spieler gegeneinander an. Mit den Ezzy-Rollern kann zu viert gespielt werden.

«Auch das Zuschauen ist nicht unspannend», findet Andi Neck. Wartezeiten seien daher nicht allzu schlimm. Doch er und seine Frau haben bereits weitere Pläne: Zuschauende sollen ins Spiel involviert werden. «Für die Zukunft wäre ein Game interessant, bei dem Aussenstehende eingreifen können.» Möglich sei beispielsweise, dass die Kartfahrer «Boosts» einsammeln, die den Teammitgliedern in einem virtuellen Spiel neben dem Feld helfen – oder umgekehrt.

Von der Scheune zum Gamepark
Ideen und Visionen haben Andi und Iris Neck viele. Die Scheune in Dachsen soll nur der Anfang sein, die Benützung der Lokalität ist jedoch zeitlich begrenzt. Das Gebäude muss in naher Zukunft einer Altersüberbauung weichen, die Suche nach einer Anschlusslösung hat deshalb bereits begonnen. Der Blick richtet sich auf den Raum Neuhausen/Schaffhausen. «Aus der ‹Kartschüür› soll ein Gamepark werden», sagt Iris Neck. Das Kartfahren wäre dann nur der eine Teil, der andere würde diverse andere Spiele beinhalten. «Wir wollen die Faszination Technik rüberbringen.»

Zu diesem Zweck streben die Initianten auch eine Zusammenarbeit mit Schulen an. Der Lehrplan 21 brachte das neue Fach Medien und Informatik  mit sich. Darin wird das Programmieren behandelt. «Im Gespräch mit Lehrpersonen hat sich gezeigt, dass ein Bedürfnis da ist», sagt Iris Neck. Häufig fehle der Bezug zum Praktischen. Eine erste Unterrichtseinheit führten die beiden bereits mit der Klasse ihrer Tochter durch. Den Schülerinnen und Schülern wurden die Grundlagen des Programmierens gezeigt. Später konnten die Versuche der Kinder direkt in der «Kartschüür» ausprobiert werden. «Das kam bei allen Beteiligten sehr gut an», sagt sie.

Bildung, Gamen, Kartfahren – eine Kombination, die nicht alltäglich ist. Doch darin liegt das Interessante am Projekt. Und wer hat sich beim Mario Kart nicht schon mal heimlich gewünscht, das Spiel nicht nur am Bildschirm, sondern in der Realität ausüben zu können? In der «Kartschüür» ist es möglich.

Die «Kartschüür» öffnet ihre Tore erstmals am Donnerstag, 30. Januar. Danach ist sie jeden Donnerstag jeweils von 17 bis 21 Uhr geöffnet.
Weitere Informationen unter: www.kartschüür.ch

 

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