Weinland

Erleichtert, aber nicht begeistert

Die IG «Lass die Schulen im Dorf» setzte sich gegen die Zentralisierung der Schulstandorte ein. Dies ist gelungen. Das Anliegen, über Varianten zu diskutieren, blieb aber auf der Strecke.

von Christina Schaffner
11. Juni 2021

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) «Lass die Schulen im Dorf» haben dem Augenschein nach ihr Ziel erreicht: Bei der Abstimmung an der Gemeindeversammlung der Schule Flaachtal letzten November sprach sich eine deutliche Mehrheit gegen den beantragten Projektkredit der Schulpflege aus. Diese wollte damit die Planung einer Zentralisierung der Primarschule auf zwei der fünf Standorte vorantreiben. Die anderen drei Schulhäuser wären geschlossen worden («AZ» vom 27.11.2020). Nun bleiben alle Schulhäuser erhalten, obwohl zwei Lehrerstellen vom Volksschulamt gestrichen wurden und damit eingespart werden müssen.

Ein halbes Jahr danach äussern sich IG-Sprecher Markus Döbeli und IG-Mitglied Corina Schollenberger trotzdem verhalten begeistert. Primär seien sie erleichtert über den Entscheid der Gemeindeversammlung, den Projektkredit abzulehnen. Dabei sei ihnen bewusst, dass die jetzige Si­tua­tion weder für alle Kinder und Eltern noch für die Schulbehörde eine befriedigende Lösung sei. Die Jungen und Mädchen wurden in einem Verfahren alle neu den Schulhäusern zugeteilt, wie die Schulpflege im März bekannt gab («AZ» vom 26.3.2021). Gegen diese Einteilungen gingen nur drei Rekurse ein. Das damalige Negativ-Argument der Schulpflege, nur bei einer Ablehnung des Projektkredits würden mehr Kindertransporte nötig, lässt die IG so nicht gelten: «Bei einer Zentralisierung wären auch viele Kinder umgeteilt worden und hätten transportiert werden müssen.»

Ziel war Variantenausarbeitung
Insgesamt fühlen sich die Initianten der IG aber eher unverstanden. «Unser Ziel war nicht, primär alles abzulehnen und gegen die Schulpflege zu agieren, wie uns unterstellt wird», sagt Markus Döbeli. «Wir wollten, dass von der Schulpflege verschiedene Varianten präsentiert werden, um eine gangbare Lösung zu finden, hinter der eine Mehrheit steht.» Sämtliche Versuche zum Dialog, welche von der IG sowie anderen Bürgern an verschiedenen Versammlungen unternommen wurden, seien jeweils abgeschmettert worden. «Für die Schulpflege gab es immer nur eine Variante.» Diese sei aber nicht nur von der IG als inakzeptabel angesehen worden, sondern auch von fast allen politischen Gemeinden, wie deren Aktivitäten und Stellungnahmen deutlich zeigten.

Mit der nun von der Schulpflege Flaachtal getroffenen Entscheidung finde sich die IG ab und akzeptiere sie. Gleichzeitig kritisiert Markus Döbeli aber auch, dass die derzeitige Schulpflege nicht im Sinne der Bevölkerung arbeite. Die beiden Mitglieder der IG finden, dass viele Probleme erst gar nicht entstanden wären, wenn im Vorfeld zur Wahl der Schulstandorte vorberatende Gemeindeversammlungen stattgefunden hätten. «Ein Konsens wäre wohl eher möglich gewesen und damit viel böses Blut erspart geblieben», so der IG-Sprecher. Die Totalrevision der Gemeindeordnung war fast zeitgleich mit dem Projektkredit von den Stimmbürgern an der Urne abgelehnt worden – unter anderem, weil die vorberatende Gemeindeversammlung auch nach der Vernehmlassung nicht darin aufgenommen worden war.

Nun andere Themen aktuell
Mit dem Teilerfolg an der Schulgemeindeversammlung vergangenen Herbst sieht die IG ihre Aufgabe und ihren Zweck als erledigt an und verabschiedet sich in dieser Form vom Geschehen. Für die ehemaligen Mitglieder der IG stünde nun anderes im Vordergrund, so Corina Schollenberger. «Viele Eltern fühlen sich alleingelassen.» Die von der Schulpflege aufgestellten Rahmenbedingungen seien so strikt, dass ein Rekurs wenig erfolgversprechend sei. Auch der anstehende Lehrerwechsel belaste die Kinder: Allein in Dorf und Volken habe ein Grossteil der Lehrpersonen gekündigt. Die Gründe für all die Kündigungen seien ihnen nicht bekannt, auch nicht, ob sie im Zusammenhang mit der Ablehnung der Zentralisierung zu sehen sind.

Ob sich Mitglieder der IG im kommenden Jahr zur Wahl in die Schulpflege stellen, sei derzeit noch offen. Ausgeschlossen sei nicht, dass es Kandidaten aus dem Umfeld der IG gebe. Sicher sei aber, «dass diese Wahl richtungsweisend wird». Frisches Blut täte der Behörde ebenso gut wie eine positive Zukunftsgestaltung der Schule Flaachtal in aktiver Zusammenarbeit mit den politischen Gemeinden und Vereinen. Denn nach Meinung der IG lassen sich schulische Belange nicht so klar und «klinisch» von anderen sozialen und gesellschaftlichen Themen trennen, wie dies derzeit geschehe. «Eine Schulpflege muss mit Bürgern und Beteiligten in einer Auseinandersetzung mit Empathie nach gangbaren Lösungen suchen», so Markus Döbeli.


Gemeindeversammlung der Schule Flaachtal:
Mittwoch, 16. Juni, 20 Uhr
Irchelhalle, Buch am Irchel

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