Weinland

Jungvögel litten unter Stürmen

In der Greif­vogelstation sind zurzeit viele Jungtiere untergebracht. Die Stürme der vergangenen Wochen haben sie aus ihren Nestern geweht.

von Christina Schaffner
06. August 2021

Mit knapp 90 Tieren sind die Boxen und Volieren in der Greifvogelstation sehr gut gefüllt. «Rund 80 bis 90 Prozent davon sind Jungvögel», sagt Leiter Andreas Lischke. Vor allem die grossen Vögel wie Rot- und Schwarzmilane und Mäusebussarde seien betroffen. Diese hockten in ihren Horsten in den Baumkronen und wurden bei den heftigen Stürmen im Juli hinuntergeweht. Oder die Äste mit den Nestern dar­auf brachen ab. Im Gegensatz zu kleineren Arten seien die grossen Greifvögel noch nicht flügge gewesen.

«Wir sind eingerichtet für so viele Vögel», meint er. Da die meisten Greifer zu mehreren in einer Box oder einem Gehege untergebracht werden können, sei das kein Problem. Sobald die Jungvögel kräftig genug sind und Flugübungen in der grossen Voliere absolviert haben, werden sie freigelassen. «Derzeit ist unser Hauptproblem eher, dass viele Paten in den Ferien weilen und die Vögel deshalb noch bei uns sind», fügt er an.

Für viele Greifer sei es ein Glück, dass viele Menschen für deren Hilflosigkeit sensibilisiert sind. «Jeder Greifvogel, der am Boden sitzt, hat ein Problem», sagt der Fachmann. «Wird ihm nicht geholfen, holt ihn der Fuchs.» Deshalb sei es gut, wenn diese Jung­vögel und auch verletzte Tiere zu ihm in die Station gebracht würden.

Ă„hnlicher Ansturm vor vier Jahren
Einen ähnlichen Ansturm von verletzten Greifern und Jungvögeln erlebte die von der Stiftung Paneco geführte Greifvogelstation bereits vor vier Jahren, am 1. August 2017. Damals wütete ein heftiges Unwetter über dem Stammertal und knickte reihenweise Bäume um. Mit den 1.-August-Krachern, die die Vögel zusätzlich aufschreckten und sie ins Unwetter fliegen liessen, war es eine Horrornacht für die Tiere. Viele – auch Singvögel – starben. Selbst in der Station habe es in den vergangenen Jahren wegen der Knallerei schon tote Greifvögel gegeben, so Andreas Lischke: Einer regte sich in der Box derart auf und flatterte so stark umher, dass er sich das Genick brach. Einem anderen passierte ähnliches, als sich eine Rakete in die grosse Voliere bohrte. Deshalb wäre es dem Vogelfreund am liebsten, wenn Feuerwerk verboten würde.

Die aktuell in der Station aufgepäppelten Greifvögel könnte nach deren Entlassung aber ein anderes Problem einholen, fügt er an. Wenn die Mäusenester wegen der ständigen Niederschläge und Wassermassen volllaufen und es deshalb weniger kleine Nager gibt, könnte dies in der Folge zu Futtermangel führen.

Auch Störche betroffen
Von den Juli-Stürmen waren nicht nur Greifvögel betroffen. Auch viele Singvögel und Störche bekamen Probleme. Allein im Juli wurden zehn Jungstörche gebracht, die aus ihren Nestern gefallen waren – vier waren bereits zuvor in der Station angekommen. «Die sind aber alle schon fleissig am Üben und kreisen über der Gemeinde», sagt Andreas Lischke. Wenn sie fit genug sind, fliegen sie nach Afrika und kommen, wenn alles gut geht, in zwei bis drei Jahren wieder zurück. «Es wäre schön, wenn sie hier brüten würden», meint der Vogelkenner, der sich seit Jahren für deren Wiederansiedelung im Flaachtal engagiert («AZ» vom 3.4.2021). Leider habe er aber keinen, auch nicht die erstmals in Berg am Irchel ausgebrüteten und aufgezogenen Störche, beringen dürfen. Deshalb sei es nicht nur jetzt, sondern auch zukünftig unmöglich herauszufinden, welcher Storch in Berg am Irchel geboren wurde und welchem es einfach hier gefällt, weil viele Artgenossen da sind.

Greifvögeln richtig helfen

Am Boden hockende Greifvögel, die nicht wegfliegen, wenn man sich nähert, brauchen Hilfe. «Am besten ein Tuch darüberlegen und in einem Karton in die Greifvogelstation bringen», sagt Andreas Lischke. Aber nicht ins Tuch einwickeln, sonst könnten sie ersticken. Gegen spitze Schnäbel schützen Handschuhe. Gleiches gilt für Eulen, die am Boden hocken. Auch Waldkäuze, die als Nestflüchter kurz nach dem Schlüpfen auf Ästen sitzen, haben am Boden ein Problem. Diese könne man allenfalls wieder auf einen Ast setzen, wo sie weiter von ihren Eltern gefüttert werden. (cs)

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